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Thursday, October 26, 2006

Die digitale Bohème



"Wir nennen es Arbeit. Die digitale Bohème oder intelligentes Leben jenseits der Festanstellung." von Friebe und Lobo. Zwei kreative Arbeiter konstruieren, propagieren und preisen ihre Identität und machen aus der Not eine Tugend. Man fühlt sich doch gleich besser, wenn man seine traditionellen Wurzeln in einer gesellschaftlichen Gruppe verankert, die eines auf jeden Fall mit der sich selbst ausgerufenen "digitalen Bohème" gemeinsam hat: kein Geld.
Außer eines akademsich anmutenden Stils, der es mit Vertretern der soziologischen Wissenschaftswelt nicht spart, bietet das Buch viele interessante Anegdoten aus der Weltgeschichte aber auch interessante Ansichten über die neusten Entwicklungen aus dem Web 2.0. Nachdem die Autoren die Lebenslügen der Festangestellten entlarven, beschreiben sie die Grundwährung sozialer Netzwerke. Im Grunde genommen ist es der Respekt, welcher soziale Bindungen entstehen läßt, so zumindest die Autoren. Soziale Netzwerke wie myspace, youtube oder sevenload basieren auf einem Prinzip, welches prägend war für die Schwarzenghettos der US-Großstätten, für die Hip-Hop und die Graffiti-Kultur.

Wird es nun in Zukunft eine digitale Bohème geben oder nicht? Nun wenn man eine postmoderne Position einnimmt, ist diese Frage obsolet. Robert Musil sagt: "Wenn es einen Realitätssinn gibt, muß es auch einen Möglichkeitssinn geben". Und wie es unsinnig ist darüber zu debattieren, ob es das Web 2.0 gibt oder nicht, ist diese Frage bezogen auf diese vorerst hauptsächlich in Berlin lebende Gesellschaftsgruppe ebenso nicht relevant. Man propagiert sie und schon ist sie da und wird größer und größer. Es entsteht etwas, was die Systemtheorie mit dem Begriff Emergenz beschreibt.

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